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Alpen-Trainingslager 2012

Glaubt man der einschlägigen Fachliteratur, ist ein Aufenthalt in den Alpen ein absolutes Muss für jeden Radsportler. Schier endlose Anstiege, rasante Abfahrten und ein traumhaftes Panorama. So kennt man die Alpen aus den unzähligen Fotodokumentationen. Vorallem das Karwendelgebirge gilt als der Geheimtipp für Mountainbiker. Da wir Hallenser nicht gerade mit Bergen gesegnet sind und mittlerweile wahrscheinlich jeden Trail in und um Halle herum auswendig kennen, haben wir uns entschlossen, in diesem Jahr ein Trainingslager in Mittenwald abzuhalten. Mittenwald ist ein kleiner idyllischer Ort am Fuße der Karwendelwand. Von hier aus erreicht man zudem auch das Wettersteingebirge mit dem wohl bekanntesten deutschen Berg der Alpen – der Zugspitze.

Aber wer ist eigentlich „wir“. Wir, das sind Immanuel, Aaron, Karl, Pascal, Henrik und ich. Am 15.08.2012 machten wir uns auf die 560 km lange Reise von Halle nach Mittenwald. Dass dieses Trainingslager ein großer Spaß werden wird, konnte man hier bereits erahnen. Ein kleines Beispiel gefällig? Bitte schön: Beim Verladen der Räder stellte Henrik fest, dass eine der zwei Federn von Pascals vorderem Schnellspanner fehlte. Auf seine Nachfrage antwortete Pascal kurz und trocken: „Die hab’ ich weggelassen. Spart Gewicht!!!“

In Mittenwald angelangt, wollten wir uns unbedingt noch ein wenig einradeln. Daher fuhren wir ein kleine Runde über die Fischbachalm. 30 km… kein Problem! Doch ein Problem… hierbei galt es nämlich 800 hM und Rampen von bis zu 15% Steigung zu überwinden. Als Hausaufgabe hatte jeder zuvor aufbekommen, einen Witz auswendig zu lernen. Dieser sollte dann an den Anstiegen zum Besten gegeben werden. Hierdurch konnten wir zum Einen kontrollieren, ob wir auch nicht zu schnell fahren. Zum Anderen wurde man abgelenkt, sodass einem der Anstieg nicht so lang vorkam.

Oben angelangt konnten wir ein herrliches Alpenpanorama genießen. Die anschließende Abfahrt sorgte ebenfalls für helle Begeisterung. Als Belohnung gab es dann am Abend einen Besuch in der Pizzeria. Schließlich hatten wir ja bereits einige Kalorien verbrannt… außerdem war es zum Kochen schon viel zu spät geworden. Auch hier sorgten unsere Spaßvögel für kurze Weile. So sinnierte Karl beim Studieren der Speisekarte: „Hmm… Spaghetti Carbonara. Carbon Ara? Ist das ein Papagei aus Carbon?!“ So ließen wir in geselliger Runde den Abend ausklingen.

Der zweite Tag begann leider mit einer gewaltigen Regenfront, welche sich langsam von Westen nach Osten schob. Somit wurde die geplante Umrundung des Wettersteingebirges kurzerhand auf den nächsten Tag verschoben. Zum Glück verfügte das Ferienhaus über einen Hobbykeller mit Tischtennisplatte, sodass sich unsere Rasselbande dort unten austoben konnte. Gegen Mittag lockerte die Wolkendecke zunehmend auf und der morgentliche Regen wich dem Sonnenschein. Radklamotten an… Drehtesel gerüstet… und auf ging es zu einer kurzen Runde um den Kranzberg. Unser Weg führte uns am Schloss Kranzbach sowie am Schloss Elmau vorbau. Zwei wunderschöne Bauwerke vor einer atemberaubenden Bergkulisse. Der Abstecher zur Alm Elmau bescherte uns zwar keinen Imbiss, jedoch ein sehr spaßige Abfahrt, die unsere Junioren zum ausgiebigen Trainieren ihrer Abfahrkünste nutzte.

Am dritten Tag nahmen wir nun die Umrundung des Wettersteingebirges in Angriff. 87 km und 2000 Höhenmeter… das waren die Eckdaten dieser Tour, welche im Reiseführer als „sehr schwer“ klassifiziert wurde. Die Tour führte uns zunächst nach Garmisch-Partenkirchen. Dort besichtigten wir das Skisprungstadion, welches einer der Austragungsorte der bekannten Vier-Schanzen-Tournee ist. Beim Anblick der Schanze fällten wir schnell ein einstimmiges Urteil: „Die müssen verrückt sein!!!“ Anschließend ging es weiter Richtung Eibsee, welcher am Fuße der Zugspitze liegt. Ab hier ging es die nächsten 2 Stunden nur noch berg hoch. Hierbei entdeckten wir einen traumhaften Trail. Leider befuhren bzw. liefen wir ihn Berg hoch. Der Schweiß lief in Strömen und der Eine oder Andere äußerte seinen Unmut durch bekannte Schimpfwörter, welche hier aus Gründen des Jugendschutzes nicht wiedergegeben werden sollen 😀 Oben angelangt durften wir jedoch ein traumhaften Blick auf den Eibsee genießen, sodass spätestens hier die Strapazen der letzten Stunde vergessen waren. Nach einer kurzen Foto- und Getränkepause ging es weiter Richtung Ehrwald. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und sicherlich auch wegen den nachlassenden Kräften entschlossen wir uns, mit der Gondel hinauf zur Ehrwalder Alm zu fahren. Oben angelangt erwartete uns die finale, 35 Kilometer lange Abfahrt durch das Geistal. Da sich aber mittlerweile bei allen der „kleine“ Hunger meldete, machten wir auf der Geistalalm schließlich Mittagspause. Vor traumhafter Kulisse stärkten wir uns bei Schnitzel, Palatschinken und Käseplatte. Da die Reise nicht nur konditionell sondern auch kulturell etwas bieten sollte, verlegten wir das Abendessen in einen urigen Biergarten bei deftigen Speisen und traditioneller bayrischer Musik.

Für den letzten Tag hatten wir uns die Königsetappe aufgehoben – die Umrundung des Karwendelgebirges. Unsere Weg führte uns zunächst durch das wunderschöne Karwendeltal, welches links und rechts durch malerische Gipfel umrahmt wird. Am Ende das Tals wartete der Anstieg zum berühmten Karwendelhaus auf uns. Man konnte es bereits oben auf dem Gipfel tronend sehen. Dennoch war es noch so weit entfernt. Glücklicherweise gab es auf halber Strecke eine kleine Quelle, an welcher wir uns kurz abkühlen konnten. Oben angelangt erwartete uns erneut eine atemberaubende Kulisse… und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum Eine konnte man einen traumhaften Blick uns Karwendeltal werfen. „Diesen Weg sind wir gerade hochgefahren.“ Zum Anderen standen dort oben gefühlte tausend (ACHTUNG: Übertreibung!!!) Mountainbikes. Glaubt es oder nicht, aber wir konnten zunächst keinen Platz für unsere Räder finden!!! Zur Stärkung gab es u.a. Kaiserschmarn, welcher laut einschlägiger Bikeliteratur der beste des gesamten Alpenraums sein soll 😉 Anschließend erwartete uns eine holprige aber spaßige Abfahrt zum Kleinen Ahornboden. Die folgenden Anstiege zum Hinterriß und zur Fereinalm taten angesichts der bisherigen Höhenmeter nochmal ganz schön weh. Hierbei soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass wir die Bachdurchquerung am Fuße der Fereinalm allesamt gefahren sind, während einige andere Biker den Chickenway über einen umgestürzten Baumstamm wählten, um ja keine nassen Füße zu bekommen. Auf der Fereinalm gab es dann noch einen Schluck Cola, bevor wir uns auf die allerletzte Abfahrt des diesjährigen Alpen-Trainingslagers begaben. Zum Abschluss gab es noch ein erfrischendes Bad in der Isar, bevor wir uns auf den Heimweg machten.

Vielen Dank zunächst an Henrik. Er hatte uns eine spitzen Unterkunft gemietet und die Touren perfekt vorbereitet. Ein ganz großes Kompliment geht jedoch an unsere Junioren. Es war ein sehr harmonischer aber auch spaßiger „Haufen“. Auch wenn es mitunter sicherlich ganz schön weh getan hat, haben sie Strecken absolviert, welche für Erwachsen als „sehr schwer“ eingestuft wurden. Es hat allen einen riesen Spaß bereitet und ich bin mir sicher, dass dies nicht die letzte Veranstaltung dieser Art war!!!

4 Antworten zu “Alpen-Trainingslager 2012”

  1. avatar Daniel Mörlein sagt:

    Hey, beim Lesen Eures Berichtes bekomm’ ich beinah feuchte Augen. Es freut mich sehr zu hören, was Ihr auf die Beine gestellt habt. Und großen Respekt den RadJunioren zu dieser ausgewachsenen Bergradtour!

  2. avatar André Hopf sagt:

    Wer Tippfehler findet, darf sie behalten!!! 😀

  3. avatar Michael sagt:

    Sehr schön! Doch habe ich zwei Fragen: 1. Verdammt, warum war ich nicht mit? 😉 2. Zu welcher Gattung gehört eigentlich der Drehtesel? Ist es eine Art Muli? 😀

  4. avatar Henrik Bierwirth sagt:

    Danke, André, ein sehr schöner Bericht.
    Ich möchte Immanuel, Pascal, Aron und Karl auch ein dickes Lob aussprechen.
    Es dürfte Euch auch aufgefallen sein, daß von allen Bikern die wir getroffen haben, keiner auch nur in die Nähe Eurer Altersgruppe kam.
    An zwei aufeinanderfolgenden Tagen die Wetterstein- und die Karwendelrunde zu fahren ist wirklich eine großartige Leistung, auf die Ihr echt stolz sein könnt.
    Dazu noch: Die Biker, die uns in den vier Tagen überholt haben, kann man an einer Hand abzählen…

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