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Münsterland-Giro 2009

münsterland-giro, 03.10.09Das letzte Rennen 2009 beim German Cycling Cup bzw. “Vom Winde verweht!” aus Sicht von Janet

Am 03. Oktober 2009 war es soweit, das letzte Rennen 2009 im Rahmen des German Cycling Cups (kurz GCC), der größten Jedermann-Rennserie in Deutschland, der Münsterland-Giro fand statt. Insgesamt umfasste der GCC 10 Rennen. Der Münsterland Giro sollte nach Göttingen, Frankfurt, Zwenkau, Dresden, Nürburgring und Bochum mein insgesamt 7. Rennen in dieser Serie werden. Vor dem Münsterland-Giro lag ich in der Gesamtwertung der Frauen auf Platz 13 und in meiner Alterklasse auf Platz 9.
Einige Wochen vorher musste ich die Frage klären, welche Strecke fahre ich nun? Im Angebot waren die 70km, 110km und die lange, die 150km.
Meine unmittelbaren Konkurrentinnen, welche vor mir in der Gesamtwertung lagen, hatten sich bereits für die 150km Distanz angemeldet. Damit war klar, dass die Chance auf eine Podiums-Platzierung für mich so gering, wie selten war. Schließlich bevorzugten sie bereits in der gesamten Saison die Langdistanzen und wussten, was auf sie zukommt . .  . Meine längste Strecke im Rahmen des GCC lag bei 75km in Bochum. Aber der große, keinesfalls zu unterschätzende, Vorteil dieser langen Strecke ist, sind die zahlreichen Punkte, die es für die 150km gibt (genau 150 Streckenpunkte, statt z. B. 70 Streckenpunkte bei 70km + natürlich die Platzierung).
Die anderen beiden Strecken (70km bzw. 110km) hätten den Vorteil gehabt, dass ich aller Voraussicht nach, Chancen auf eine Podestplatzierung, zumindest in meiner Alterklasse, gehabt hätte, da ich 1. bereits in dieser Saison  zahlreiche Erfahrungen auf einer Streckenlänge von 70km sammeln konnte und 2. die Konkurrentinnen nicht ganz so stark gewesen wären.
Aber 150km, als Renndistanz ohne Kaffeepause, wie z. B. bei unserer Kyffhäuser-Runde . . ., schaffe ich das überhaupt?
Ich entschied ich mich trotz der Bedenken für die 150km, der Ausblick auf die vielen Punkte und zur Sicherung meiner Platzierung sowie das Sammeln von Erfahrungen auf der Langdistanz waren ausschlaggebend.
Sehr kurzfristig, aber noch rechtzeitig genug, konnte ich Alex davon überzeugen, mich bei meinem Vorhaben zu unterstützen.
Die letzen offiziellen Streckenmessungen des Veranstalters ergaben für die 150km Distanz eine Länge von 156km bei ca. 600 Höhenmetern.
Die Wettervorhersagen für Münster waren alles andere als rosig: Regen, starker Wind mit Böen und Temperaturen knapp über 10 Grad. Was tun? Bei solchem Wetter würde ich zu Hause niemals auf die Idee kommen, mich auf das Rad zu setzen und schon gar nicht für 156km.
Aber wenn man nun einmal angemeldet ist . . .

Also fuhren wir am zeitigen Nachmittag, des 2. Oktober 2009 in das ca. 420km entfernte Münster. Dort trafen wir beim Abholen der Startunterlagen auf Jan-Olé mit Freundin Caro, bei deren Eltern wir ca. 70km entfernt von Münster übernachten durften. Vielen Dank! Jan-Olé hatte sich für die 110km Distanz angemeldet (dazu mehr in einem separaten Bericht).
Pünktlich 6:00 Uhr klingelte am Renntag der Wecker. Nach reichlichem Frühstück fuhren wir gegen 7:00 Uhr Richtung Münster. Es war stark bewölkt, aber trocken. Allerdings wehte der Wind heftig.  Nachdem wir in einem Parkhaus, dem Startbereich sehr nahe gelegen, unsere Räder startklar gemacht, hatten, ging es ca. 8:30 Uhr Richtung Start. Schnell noch ein Dixi-Häuschen besucht und los ging’s: Aufstellung im Startblock.

Alex startete aus Block B. Da ich in de GCC-Wertung unter den ersten 50 platziert bin, durfte ich aus dem Startblock A starten. Für andere sicherlich zur Freude, für mich eher zum  “Grauen“, war nur noch die erste Reihe frei. Super . . . hoffentlich komme ich gut in die Pedalen. Der Start rückte immer näher, wenige Sekunden . . . Dann ging es los und ca. 900 Teilnehmer machten sich auf die 156km lange Strecke. Ein geiles Gefühl, mal direkt hinter den Führungsfahrzeugen zu fahren.  . . zumindest für kurze Zeit. Die Blöcke A und B wurden zusammen gestartet und das Feld wurde sehr schnell gemischt. Nach ca. 7 km stoß Alex auf mich. Unser Plan war, dass wir zusammen fahren und er, so gut wie möglich, mir Windschatten gibt. Leider ging unser Plan bereits nach 15km in die Brüche. Ich verlor den Anschluss an das Feld und Alex hörte und bemerkte es in dem Trubel nicht bzw. viel zu spät.

Nun war kämpfen angesagt, kein anderer Teilnehmer in der Nähe. Gegenwind . . .ich war am Limit, dachte gar schon über Aufgeben nach. Die ersten Grüppchen des C-Blockes kamen. Ich konnte, so fertig, wie ich bereits bei diesem Gegenwind war, diese Grüppchen nicht halten. Bis endlich ein größeres Feld kam – meine Rettung. Endlich konnte ich wieder durchatmen. Der Puls sank erstmalig unter 175.  Bei Kilometer 60 wartete wohl der erste und letzte zählbare Anstieg auf uns. Es ging alles gut. Die Gruppe blieb zusammen; auch die darauffolgende Abfahrt bei Gegen-/Seitenwind wurde gemeinsam bewältigt. Das Publikum war hervorragend. Überall laute Rasseln und Beifall. Karneval im Oktober! So etwas hatte ich bei noch keinem Rennen erlebt. Einfach ein tolles Gefühl! Ab ca. der Hälfte stand dann nur noch starker Gegenwind auf dem Plan und je weiter die Zeit Fortschritt um so heftiger wurde der Wind. Ein Kampf stand bevor . . . So ziemlich alle ersehnten sich das Ziel. Aber bis dahin waren es noch einige Kilometer.

Ca. 30km vor dem Ziel trafen die C-Block Fahrer der 70km Strecke, welche 11:00 Uhr gestartet wurde, dazu. Diese Strecke und auch die 110km Strecke waren mit je 1500 Teilnehmern restlos ausgebucht. Nachmeldungen vor Ort waren für diese zwei Strecken nicht mehr möglich. Es wurde gefährlich . . . Immer mehr gestürzte Radfahrer lagen oder standen am Straßenrand. Das “entspannte” Fahren war vorbei. Jederzeit brems- uns ausweichbereit musste man jetzt sein, denn die Fahrer der Kurzdistanz hatten offensichtlich überhaupt keine Erfahrung, wir in der Gruppe zu fahren ist. Kurz vor Münster wurden wir noch einmal durch Lautsprecheransage der Polizei auf Schrittgeschwindigkeit runtergebremst und es ging in Zweierreihen weiter. Es hatte sich anscheinend ein etwas größerer Crash ereignet. Dann war es endlich soweit . . . wir erreichten bei starken Gegenwind Münster. Wie weit ist es noch ? Die Beine brannten. Wir erreichten eine Straße, die links und rechts mit Zäunen abgesichert war. Die Zäune hielten teilweise dem Sturm nicht Stand, so dass es immer mal knallte. Dann endlich . . . das lang ersehnte Hinweisschild -500m- bis zum Ziel. Es war geschafft. Hurra!

Nach 4:41h erreichte ich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit knapp über 33km/h das Ziel. Platz 13 in der Gesamtwertung der Frauen / Platz 9 in meiner Alterklasse.  Ein hartes Stück Arbeit lag hinter mir. Es waren nicht die 156km, die einen zu schaffen machten, sondern der verdammt starke Wind. Belohnt wurde ich mit 356 Punkten bzw. 360 Punkten in der Altersklassenwertung (im Vergleich auf dem Nürburgring gab es bei ähnlicher Platzierung für die 70km 275 Punkte bzw. 281 Punkte in der Altersklassenwertung).
Insgesamt habe ich die GCC-Wertung 2009 auf den 13. Gesamtplatz der Frauen (Platz 9 Altersklasse) abgeschlossen. gcc2009

Eine Antwort zu “Münsterland-Giro 2009”

  1. avatar Johannes Recker sagt:

    Hallo Janet, da hast du ja mächtig gekämpft, ich habe wohl ein wenig Glück gehabt, denn ich hatte immer eine Gruppe um mich und konnte auch dem Wind einigermaßen standhalten. Ich hatte noch, wie im letzten Jahr mir eine Reserve für die Schlußkilometer aufheben können und hatte mächtig Spass noch zum Schluss noch mal Gas zu geben. Leider war die Strecke so schnell vorbei. Bis dann aus Münster, es grüßt Dich Johannes

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