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Jan Ole auf Platz 11 in Münster!

EPSN9569Das Debakel vom Nürburgring vergessen machen. Einer der vielen Gründe für die Meldung zum Münsterland Giro. Außerdem bestand nun endlich die Möglichkeit, die Eltern meiner neuen Freundin kennen zu lernen, da wir in Dorsten (nahe Münster) Quartier beziehen würden. Die Strecke über110 km versprach ideale Bedingungen für Rouleure wie mich!

Anreise, Wetterbericht, all diese Dinge stehen bereits in Janets Bericht. Aus diesem Grund lasse ich diese Informationen aus diesem Bericht heraus.

Am Morgen vor dem Rennen parkte ich direkt neben Alex und Janet im Parkhaus in der Nähe des Starts. Die Vorbereitungen begannen wie gewohnt, bzw. wie üblich chaotisch. Am Mittwoch zuvor hatte ich mit meinem lieben Vereinskollegen Felix die letzten Vorbereitungen an der Rennmaschine getroffen. Herzlichen Dank noch mal an dieser Stelle für deine stets kompetente Hilfe. Ich glaube ohne dich, würde es entweder teuer werden oder gar nicht so rund laufen. Die Pro 3 hatten wir gegen die Continental Ultra Sport getauscht. Leider im Dunkeln, denn als ich die 8 bar drauf gemacht hatte, platzte im gesamten Parkhaus nur ein Schlauch und das war meiner. Panik brach kurzzeitig bei mir aus, aber zum Glück war Alex noch da, der mir half einen Schlauch von Janet einzubauen. Als das geschafft war, rollte ich zum Start. Auf halben Weg fiel mir auf, dass ich die Handschuhe vergessen hatte. Wieder zurück zum Auto und schließlich wieder Richtung Start. Ich fuhr mich 10 Minuten warm, danach bezog ich Stellung im Startblock B, erste Reihe, neben Team Strassacker. Das Team Univega hatte weiter hinten seine Plätze eingenommen. Im Startblock A standen wiederum nur ca. 50 Fahrer.

A und B wurden relativ gleichzeitig gestartet. Wir rollten maximal 30 Sekunden nach A über die Startlinie. Sofort war Volldampf angesagt, nach maximal 2 Km hatten wir die Spitzengruppe von A eingeholt und bildeten von nun an die Spitzengruppe der 110 km Distanz. Die Taktik war nicht anders als in Zwenkau. Vorne fahren, aber nicht ganz vorne und vor allem nicht in der Mitte. Zugegeben, es kostet mehr Körner, aber man bleibt sturzfrei. So sollte es diesmal auch wieder sein. Es war von Beginn an ein Mordstempo, trotz des Windes. Wir bekamen Wind aus wechselnden Richtungen, weil hier und da die Richtung des Kurses drehte. Die ersten 50 Km hatten wir einen 43er Schnitt. Die Gruppe wurde kleiner. Vor allem, weil die ersten aus jeder Kurve dermaßen heraus beschleunigten, dass jene, die nicht die Kraft hatten wieder die Löcher zuzufahren, nach und nach reißen lassen mussten. Auch Stürze dezimierten das Spitzenfeld zusehends. Ich musste bei Km 50 in den Graben ausweichen um einem Sturz zu entgehen. Gut, dass ich am Rand fuhr. Aber eines hatte ich mittlerweile auch gelernt: Man muss rechtzeitig die Leute anfassen, damit sie merken, dass sie dir nicht einfach den Weg abschneiden können. Das machen die Profis bei den großen Rennen wohl auch so. Funktionierte gut, kann ich nur sagen. Dank an dieser Stelle an Steffen Wust von Univega für die Tipps. Wie dem auch sei, dass Rennen lief ganz gut, die Strecke war relativ langweilig, denn es waren überhaupt keine schweren Passagen dabei. Aber ein Problem gab es trotzdem. Ich hatte den Federweißer und Zwiebelkuchen am Vorabend von Caros Mutter unterschätzt. Einerseits musste ich ab Km 40 dermaßen pinkeln, dass ich es kaum noch aushielt, aber auch die Magenkrämpfe nahmen zu. Bei Km 70 hielt ich es nicht mehr aus. Irgendwas musste geschehen. Natürlich war mir klar, die halten hier nicht zu einer Pinkelpause an. Und die Spitzengruppe verlieren wegen Pinkeln? Das ging gar nicht. Ich ließ mich nach hinten fallen. Zum Glück waren wir grad auf einer breiten Bundesstraße und das Tempo war etwas gemäßigter. Selbst ein Fahrer des Teams Strassacker konnte mir nicht weiterhelfen, als ich ihn nach einer Technik fragte, wie man gleichzeitig Fahrrad fährt und pinkelt. Also machte ich es so, wie ich es mir dachte. Und das ging gut. Wer nähere Details zur genauen Technik erfahren möchte, schreibt mich bitte direkt an. Nach dieser Erleichterung konnte ich auch endlich die Luft aus dem Darm entlassen, was mich rettete. Ich glaube, dass das Rennen sonst für mich zu Ende gewesen wäre. Wieder erstarkt, machte ich mich wieder auf ins erste Drittel des Feldes. Die Beine waren noch frisch. Km 80 war erreicht. Der Schnitt war immer noch über 42. Ich fuhr jetzt weiter vorne. Die Ortsdurchfahrten waren echt einmalig. Die Zuschauer waren super, überall gab es Lautsprecher, durch die ein Ansager die Massen anfeuerte und die Lage im Rennen kommentierte.

Ich fühlte mich großartig. Du in der ersten Saison vorne mit dabei. Wahnsinn. Diesmal nur nicht abdrängen lassen. Km 90 wurde erreicht. Die Taktiererei begann langsam. Es wurde ein wenig langsamer, denn manchmal ging einer plötzlich aus der Führung und keiner wollte übernehmen. Auch ich leistete nun mal ein wenig Arbeit im Wind, aber dosiert um für das Ende genügend Druck in den Beinen zu haben. Der Unterschied war enorm. Der Wind blies derart stark, dass man sicher 40% Kraft im Windschatten sparen konnte. Unglaublich! Trotzdem, das Tempo immer weit über 40. Der 100 km Punkt wurde erreicht. Ich hatte mich nun vorne platziert. Auf keinen Fall wollte ich nun wieder meinen Platz freigeben. Es wurde hektisch. Wilde Beschimpfungen. Auch ich musste einmal ausfallend werden. Wieder ein Krachen hinter mir. Ich habe selbst im Spitzenfeld bis dahin mehr als 4 große Stürze gezählt, wo jedes Mal mindestens 10 Fahrer weggeräumt wurden.

Die letzten Km waren erreicht. Ich hatte bereits 108 km auf dem Tacho, als wir immer noch nicht Münster erreicht hatten. Ungläubig schau ich immer wieder auf den Tacho. Dann begannen endlich die Absperrgitter. zumindest auf der rechten Seite. Das war mein Glück. Ich war nämlich am linken Rand und es wurde wieder einmal geschoben und gedrängt. Krach! Wieder ein Sturz! Wenn ich nicht nach links auf den Bürgersteig hätte ausweichen können, wäre ich dabei im Gitter gelandet. Wieder der Sprung vom Bürgersteig zurück ins Feld, das zu diesem Zeitpunkt immernoch knapp über 100 Fahrer zählte. Ich war nur noch in der dritten Reihe.  Die Zuschauerreihen füllten sich immer mehr. Das Adrenalin durchströmte jetzt meinen ganzen Körper. Irgendwie gelang es mir, in die zweite Reihe zu kommen. Es waren höchstens noch zwei Km. 20 Polizeiräder in Formation, dahinter das Führungsfahrzeug, die Zuschauerreihen, das rasende Feld in der Anfahrt zum Ziel des Münsterland Giros. Radunion in zweiter Reihe. Perfekte Ausgangslage. Ich wollte diesmal gewinnen. Endlich wird der Zug von einem Münsteraner aufgemacht. Ich wusste leider zu diesem Zeitpunkt nicht genau wie weit es noch ist. Leider sprang ich sofort mit. Vor mir leider nur noch einer, der aber richtig Ballett machte, und das trotz des brutalen Gegenwindes. Der Wind war wie eine Wand, ich aber noch im Windschatten. Dann war es soweit, er war blau und ging raus. Nein! Ich im Wind und vor allem auf dem letzten Km.

Meine Gegner hatten nun alle Trümpfe in der Hand. Trotzdem, die Stimmung überwältigte einen förmlich. Man spürte keine Ermüdung. Ich führte das Feld die letzten Meter. Die Radunion an vorderster Front. Auf allen Videoleinwänden war es zu sehen, wie mir später Caros Eltern und sie berichteten. Ich nahm etwas raus, denn ich wusste gleich würde es zum Sprint kommen. Und dann sah ich es, das 300 Meter Schild. Der Sprint begann, nur leider begann ich ihn dadurch zu spät. Sofort waren 5 Fahrer an mir vorbei. Kette rechts, raus aus dem Sattel und Druck. Doch was war das. Das Führungsfahrzeug? Der spätere Sieger musste im vollen Sprint um das Auto rum. Ich rollte auf der Ziellinie am Auto vorbei. Dieses großartige Rennen wurde leider etwas von der Polizei versaut, die das Führungsfahrzeug ausgebremst hatten, weil sie nicht mit dem Tempo gerechnet hatten. Sofort wurden wilde Verwünschungen Richtung Polizei geschickt. Ich enthielt mich, wie es meinem ruhigen Gemüt entspricht! 😉

jeder_ziel

Platz 11 gesamt, 3. der Altersklasse Männer bis 30! 2:41:06 für 110 Km, Schnitt über 41 Km in der Stunde. Ein unglaubliches Erlebnis. Darauf kann man aufbauen, und das werde ich.

3 Antworten zu “Jan Ole auf Platz 11 in Münster!”

  1. avatar Ulrike Geyer sagt:

    Hi Jan!

    Wir gratulieren, super!!!
    Ganz liebe Grüße
    von Ulrike + Ron

    PS: So haben wir auch erfahren, dass Du Jan Ole heißt!

  2. avatar Robert Thiet sagt:

    Hallo Jan! Dein Radbericht war eine große Überraschung. Wir sind stolz! Viele liebe Grüße von Oma und Opa

  3. avatar Daniel Mörlein sagt:

    Jippieh und Glückwunsch! Nächstes Jahr nur noch Top10 ?!

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